Arbeitszeugnis: Nichts als die wohlwollende Wahrheit




Arbeitszeugnisse sind ein Balanceakt zwischen Wohlwollen und Wahrheitspflicht. So steht das für Arbeitnehmende wie auch Arbeitgebende wichtige Thema meist auf einem Spannungsfeld. Das spiegelt sich nicht selten in meinen Beratungen. Anliegen zu Arbeitszeugnissen machen einen grossen Teil der arbeitsrechtlichen Fragen aus. Werfen wir einen Blick auf die häufigsten Diskussionspunkte.

Wohlwollen vs. Wahrheit

Ein Arbeitszeugnis muss in erster Linie wahrheitsgetreu, der Inhalt richtig sein. Das bedeutet, dass auch negative Punkte erwähnt werden können. Allerdings nur, wenn diese in einem relevanten Masse für die Gesamtbeurteilung ins Gewicht fallen. Gleich nach der inhaltlichen Korrektheit folgt der Grundsatz des Wohlwollens. Denn das Arbeitszeugnis spielt für die weitere berufliche Laufbahn des Arbeitnehmers eine wichtige Rolle – hier sollten keine unberechtigten Steine in den Weg gelegt werden. Doch allgemein gilt: Wahrheit vor Wohlwollen.

Erwähnung von Krankheiten

Die Erwähnung von Krankheiten ist in der Praxis immer wieder ein Thema. Darf die gesundheitliche Verfassung einer Person im Arbeitszeugnis erwähnt werden? Dies kommt im Sinne des Wahrheitsgebotes darauf an, in welchem Grade die Krankheit Einfluss auf die Leistung nimmt oder genommen hat. Zudem ist bei der Gewichtung die Dauer eines Arbeitsunterbruchs in Relation zur gesamten Vertragsdauer zu berücksichtigen. Übrigens: Das gleiche gilt für den Kündigungsgrund – dieser ist auch nur zu erwähnen, wenn er eine grosse Gewichtung trägt (bspw. gravierendes oder strafbares Fehlverhalten).


Codierung vs. Klarheit

Ein Arbeitszeugnis sollte aussagekräftig sein. Das heisst inhaltlich vollständig und verständlich. Dabei taucht immer wieder das Thema Codierung auf. Wie soll man wissen, ob im Arbeitszeugnis keine zweideutigen Botschaften versteckt sind? Dieser Punkt verunsichert viele Arbeitnehmende, wenn sie ihr Zeugnis prüfen. Mit dem Grundsatz der Klarheit sind Codierungen – eine verschleiernde oder doppeldeutige Sprache – unzulässig.

Arbeitszeugnis anfechten

Ist der Arbeitgeber nicht dazu bereit, unfaire Passagen anzupassen, kann eine Berichtigung vor Gericht angeklagt werden. Dabei muss die Arbeitnehmerin eine konkrete neue Formulierung beantragen und beweisen, warum Inhalte angepasst werden sollen. Daher ist es wichtig, dass regelmässig Beurteilungsgespräche stattfinden und diese protokolliert werden. Denn diese bilden eine wichtige Grundlage zur Erstellung von Arbeitszeugnissen.

63 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen